Hannah

Hannahs Geburt

Dienstagnachmittag, beim Kauf meiner Newbornwindeln erkundigt sich die Kassiererin wan es denn soweit wäre. Meine Antwort: "Termin ist in zwei Tagen, aber davon wird wohlnichts." Nach dem Einkauf geht es zum Kinderturnen mit meinem Sohn. Zum Abschied bekomme ich von mehreren Seiten zu hören, dass wir uns nächsten Dienstag wohl nicht sehen werden. Ich sage: "Ich hoffe nicht, aber ich fürchte schon." Für mich deutet nichts auf eine bevorstehende Geburt hin.
Am Abend essen wir wie gewohnt, ordnen noch ein wenig die Wohnung und ich bringe unseren Sohn ins Bett. Als ich um halb neun sein Zimmer verlasse sage ich zu meinem Mann, dass ich Wehen habe und irgendwie auch regelmäßig, aber sie tun kaum weh. Er fragt: "Wie regelmäßig?" Ich sage: "Keine Ahnung", setze mich aufs Sofa klappe meine Notebook auf und frage meine Mails ab, lese dies und das und lasse dabei die Uhr nicht aus den Augen. Gegen halb neun stelle ich fest, dass die Wehen alle sechs, vielleicht sieben Minuten kommen. Tobi beschließt, entgegen meiner Einschätzung „brauchst du nicht, sind bestimmt nur Senkwehen" zu duschen und irgendwie werde ich jetzt auch etwas unruhig. Ich denke mir, dass Duschen ja nicht schaden kann und wenn die Wehen trotz warmen Wassers bleiben, werde ich Johanna anrufen. Sie werden nicht weniger – ich bin trotzdem sehr gelassen und nehme mir Zeit.
Um kurz nach zehn rufe ich bei Johanna an und erzähle ihr wie es mir geht. Eigentlich dachte ich sie kommt vorbei, um nach uns zu sehen, stattdessen sagt sie, dass sie ins Geburtshaus fährt und schon mal alles vorbereitet. Ich finde das zu diesem Zeitpunkt recht überdramatisiert, aber sie meint, wir machen das trotzdem so, andernfalls fahren wir eben wieder nach Hause.
Wir packen also noch ein paar Sachen, geben meiner Mutter Bescheid, damit jemand bei unserem Sohn ist und machen uns auf dem Weg. Dabei wird mir mit jedem Kilometer Richtung Walsrode deutlicher, dass es jetzt doch wirklich ernst wird. Die Wehen kommen zwar nicht öfter, aber sie werden fühlbar schmerzhafter. Um 23:00 Uhr kommen wir im Geburtshaus an. Johanna empfängt uns und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge und führt uns dann ins Geburtszimmer. Ich bin völlig angetan wie gemütlich, fast romantisch es dort mit den leuchtenden Kerzen ist. Es duftet ganz wunderbar nach ätherischen Ölen. Wir lassen uns auf dem Bett nieder, trinken Limo und Kaffee und reden über dieses und jenes. Mittlerweile sind die Wehen stärker und ich habe das Bedürfnis dabei im Raum umher zu gehen. Außerdem muss ich ständig aufs Klo.
Johanna protokolliert jeden meiner Schritte und erkundigt sich regelmäßig nach meinem Befinden, hört die Herztöne ab und ist einfach da. Die Atmosphäre ist sehr entspannt und schön. Mein Mann und ich kuscheln uns nochmal kurz zusammen. Uns ist klar, dass wir sehr bald zu viert sein werden. Wir malen uns zum x-ten Mal aus, wie unser Kind wohl aussehen wird, wir sind gespannt und voll freudiger Erwartung, fühlen uns einfach wohl und geborgen.
Um kurz nach zwölf geht Tobi rüber zur Tankstelle um noch ein wenig Proviant einzukaufen. Zu diesem Zeitpunkt untersucht Johanna mich zum ersten Mal, der Muttermund ist gerade drei bis vier Zentimeter offen. Während sie mich untersucht, erklärt sie mir, warum sie einen Verlobungsring aus Holz hat. Ich muss lachen und sie stellt fest: "Oh prima, lachen ist
Muttermund fördernd." So liege ich also da und versuche noch einen Lacher heraus zu bringen und erfahre nebenbei das unser Kind Haare hat.
Tobi bekommt die Anweisung die Babywäsche auf der Heizung zu verteilen, damit sie schon mal gut durchgewärmt wird. Ich glaube, er ist froh eine Aufgabe zu haben. Gegen ein Uhr werden die Wehen schlagartig stärker. Ich möchte nun unbedingt ins Wasser. Das Einlassen der Wanne kommt mir wie eine kleine Ewigkeit vor. Mit jeder Wehe halte ich mich an meinem Mann fest und lasse mir fest über den Rücken streichen. Ich bin so froh, dass er bei mir ist.
Das Eintauchen ins warme Wasser entspannt kurzzeitig meinen Rücken. Dann werden die Wehen so heftig, ich finde keine richtige Position. Ich will stehend knien, aber dann geht mir das wohltuende Wasser nur bis zum Po. Ich nehme mir vor, bei der nächsten Wehe sitzen zu bleiben, aber die Schmerzen erscheinen mir dadurch stärker, also doch wieder auf die Knie
und am Rand festhalten und an meinem Mann, der ebenfalls am Beckenrand kniet. Irgendwann überrollen mich die Wehen wie eine Lawine. Sie werden immer stärker, es gibt keine Pause mehr. Ich schreie, stöhne, komme mir hysterisch vor und will nach Hause. Schreie das Kind an, es soll verdammt noch mal da raus kommen und dann plötzlich ist der
Kopf geboren. Ich ertaste den Kopf mit meinen Händen, eine erste Erleichterung durchströmt mich. Dann fühle ich die Drehung von der Johanna in der Geburtsvorbereitung gesprochen hat.. Wahnsinn denke ich, dass man das so spürt und dann machen sich auch schon wieder starke Schmerzen breit und dann um 1:59Uhr ist sie plötzlich da. Ich kann es kaum fassen.
Wie überwältigend.
Unsere kleine Hannah. Sofort ist da ein Gefühl von: "So schlimm war es doch gar nicht und einfach nur, oh Gott, oh Gott, oh Gott, wie toll."
Ich lehne mich im Pool zurück und Johanna legt mir Hannah auf die Brust. Wir bestaunen unser Baby und können es nicht fassen. 20 Minuten liegen wir so da und genießen unser Kind und die Atmosphäre und lassen die Nabelschnur auspulsieren, bevor sie von Tobi durchtrennt
wird. Dann wird Hannah in Handtücher gewickelt und kommt in Tobis Arm, der es sich mit ihr gemütlich macht und sie pausenlos anlächelt. Ich bleibe noch im Pool, denn die Plazenta muss noch geboren werden. Auch durch Drücken auf den Bauch und Lageveränderungen passiert im Pool aber leider gar nichts. Johanna scheint mir nervös zu werden. Sie bittet mich in die Badewanne umzusteigen und hilft nun durch leichtes Ziehen an der Nabelschnur nach.
Es folgt eine weitere schmerzhafte Wehe und die Plazenta ist da. Sie wird untersucht und ein Abdruck wird gemacht, der aussieht wie ein Baum und als Erinnerung mit nach Hause kommt.
Danach kann ich mich duschen und kuschele mich in das gemütliche Bett. Hannah und Tobi kommen dazu und Hannah beginnt sofort an meiner Brust zu saugen. So liegen wir da zufrieden, erschöpft und glücklich dösen wir vor uns hin. Gegen halb vier wird Hannah gemessen, gewogen und angezogen und auch ich werde kurz untersucht. Dann ziehe ich mich an und wir verlassen um viertel vor vier das Geburtshaus. Zuhause angekommen kann es meine Mutter kaum fassen, das wir schon wieder da sind. Sie ist glücklich uns alle gesund und munter zu sehen. Während sie ihr neues Enkelkind bestaunt
wärmen wir uns schnell das Mittagessen vom Vortag auf und kriechen dann alle zusammen ins Bett.
Unser Sohn hat von all dem nichts mitbekommen und krabbelt am Morgen wie gewohnt zu uns ins Bett und sieht zum ersten Mal seine kleine Schwester.
Ich bin so glücklich und dankbar, daß ich diese positive Geburtserfahrung machen durfte, daß ich am liebsten jede schwangere Frau davon überzeugen möchte. Ich fühlte mich so gut aufgehoben und wohl und dafür danke ich dem Team inbesondere aber Johanna Schuck von ganzem Herzen.

Hannah Marit  3500g schwer und 51cm lang