Ben

Ben

Bis zur  29. Woche habe ich während meiner Schwangerschaft nie über eine Beckenendlage (BEL) und damit einer Steißgeburt nachgedacht. Aber unser Sohn machte keine Anstalten sich zu drehen, also haben mein Mann und ich angefangen uns mit einer BEL und deren Risiken zu beschäftigen. Unsere Hebamme konnte uns viel dazu erzählen. Nach dem missglückten Versuch der äußeren Wendung, dem „ Moxen“ und der indischen Brücke jeden Abend haben wir uns für eine spontane BEL- Geburt entschieden und sind zu einem Beratungsgespräch ins Krankenhaus gegangen. Der Chefarzt hat uns über die Risiken aufgeklärt und das BEL-Geburten nur in bestimmten Situationen machbar wären. Es spielt die Größe des Kindes eine Rolle, das man rechtzeitig kommt, die Fruchtblase sollte nicht zu früh platzen damit  mehr Druck auf dem Muttermund zum öffnen ist u.s.w. Wenn wir mit Wehen kommen entscheiden die Ärzte ob spontane Geburt oder Kaiserschnitt. Am liebsten würden die Ärzte bei einer BEL einen Kaiserschnitt machen. Dieses Gespräch hat uns etwas verunsichert und wir haben auch über einen Kaiserschnitt nachgedacht, allerdings nur kurz, denn ich wollte es überhaupt nicht und auch Myriam hat mich sehr darin bestärkt es spontan zu versuchen. Myriam hat uns sehr gut aufgeklärt und so habe ich fest an eine spontane Geburt geglaubt und hatte auch die richtige Einstellung dazu. Also warteten wir auf Tag X. Je näher der Termin kam, um so unruhiger wurde meine Frauenärztin und hätte es gerne gesehen wenn es schon ein paar Tage eher losginge, aber wir haben uns nicht davon anstecken lassen und Myriam hat uns auch immer beruhigen können.
Dann ging es in der Nacht  vor dem Termin los.  Wir haben Myriam angerufen und die kam und hat mich untersucht und alles für gut befunden. Als sie wieder weg war ging alles rasend schnell und mein Muttermund öffnete sich komplett. Ich hatte Blutungen so haben wir Myriam angerufen weil mich das beunruhigte uns sie meinte nur das ist der Muttermund. Allles ok., fahrt ins Krankenhaus ich melde euch an. Als wir im Krankenhaus angekommen waren hatte ich schon Presswehen. Die diensthabende Hebamme hat mich zuerst untersucht und dann den Arzt gerufen weil es schon soweit war. Da waren wir alle noch sehr entspannt, aber für den Arzt war es reiner Stress, denn er musste erst das Kind ausmessen und entscheiden ob er eine spontane Geburt verantworten kann. Also bekam ich ein wehenhemmendes Mittel verabreicht. Da  der Arzt etwas nervös wirkte wurde auch mein Mann etwas unruhig aber ein Blick auf die ruhige Habamme hat auch ihn wieder beruhigt.
Davon habe ich nichts mitbekommen denn ich versuchte die Presswehen wegzuatmen und irgend wann habe ich nur noch gesagt das es nicht mehr geht und ich jetzt loslegen muss. Das hat dann den Arzt auch überzeugt er legte noch einen Blasenkatheter damit mehr Platz ist und dann durfte ich endlich unseren Sohn zur Welt bringen. Kinderarzt und Chirurgin waren auch mittlerweile für den Notfall da. Ich versuchte den Anweisungen der Hebamme zu folgen und irgendwann platzte dann auch die Fruchtblase und bei der nächsten Wehe waren auch schon Popo und Füße da. Der Arzt hat dann einen Dammschnitt gemacht um Platz für den Kopf zu schaffen, der dann „ rausgehebelt“ wird. Dafür hat man 3 – 5 Min. Zeit, sonst gibt es Sauerstoffmangel und das war eine kritische Situation bei der ganzen Geburt. Die Hebamme musste auf meinen Bauch drücken was ich kaum gemerkt habe und schon war der Kopf da. Ben wurde mir sofort auf den Bauch gelegt und da ich vorher keine Zeit mehr hatte mich auszuziehen habe ich nur schnell Pulli, T-Shirt und BH hochgezogen damit er gleich Hautkontakt hat. Das erste was der Arzt zu mir sagte war, das Ben keinen Sauerstoffmangel erlitten hat. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchtrennen und danach wurde Ben erst mal vom Kinderarzt untersucht. Was ich unangenehm fand war das Nähen trotz der Betäubung.
Uns ist schon klar das wir aus Sicht des Arztes eher hätten kommen müssen, eine spontane BEL-Geburt braucht etwas mehr Vorbereitungszeit als eine Schädellage und wenn wir gewusst hätten das sich der Muttermund innerhalb von einer dreiviertel Stunde öffnet wären wir auch sehr viel früher ins Krankenhaus gefahren. Es war eine super Geburt und ich bin sehr froh darüber das ich mich dafür entschieden habe. Hätte ich auf die Ärzte gehört wäre es ein Kaiserschnitt geworden aber dadurch das Myriam uns so gut aufgeklärt  und es so locker gesehen hat haben wir es übernommen und es stimmt ja auch, früher  war der Kaiserschnitt das Risiko und nicht die BEL. Man muss sich seiner Sache allerdings sehr sicher sein, wenn man nicht die richtige Einstellung und auch Unterstützung hat oder immer wieder Ängste und Zweifel ob auch alles gut geht , dann klappt es wahrscheinlich nicht so einfach mit der spontanen Geburt. Ich bin auch meinem Mann für die Unterstützung sehr dankbar. Mein 2. Kind würde ich auch wieder als Steißgeburt zur Welt bringen und den Kaiserschnitt nur als Notlösung im Hinterkopf behalten.
Ich kann nur jedem empfehlen es so zu probieren, denn es ist eine sehr tolle und wunderschöne Erfahrung sein Kind zur Welt zubringen .
Zum Abschluss noch eines, BEL-Geburten müssen auch nicht länger dauern als Schädellagen, unser Ben hat von Anfang der Wehen bis er da war nur 5 ½  Stunden gebraucht. Das ist als Erstgebärende schneller als manch eine zweite  Geburt in Schädellage.

Also, nur Mut zur BEL-Geburt, mit dem richtigen Team geht alles.

Ben wog bei seiner Geburt 3510 g und war 51cm groß.

 

Sandra