Alma
Anfang Mai 2009 hatte ich ihn in der Hand: Den positiven Schwangerschaftstest. Mein Mann war noch leicht skeptisch ("Bist du sicher? Der Streifen ist so hell..."), aber der Frauenarzt bestätigte es noch am selben Tag: Wir erwarteten unser ersten Kind! Wir waren natürlich überglücklich und auch sehr aufgeregt und gespannt was da jetzt auf uns zukommt.
Da meine Schwägerin sehr kurz zuvor ihr viertes Kind im Geburtshaus bekommen hatte, war ich quasi Bestens beworben worden und entschied mich für eine Schwangerschaftsbegleitung von beiden: Frauenärztin und meiner (spitzenmäßigen) Hebamme Myriam. Und ziemlich schnell entschlossen mein Mann und ich dann auch das Baby, wenn es denn klappte, im Geburtshaus zu bekommen. Wir beide fanden es dort einfach sehr schön und gemütlich und ich war begeistert, dass ich während der Geburt weiter von Myriam betreut werden würde.
Bei dem Entschluss blieb es auch trotz einiger Einwürfe von Freunden und Bekannten die mir erklärten ich hätte keine Ahnung wie weh Wehen tun würden (womit sie natürlich Recht hatten) und das man zur Erstgeburt doch lieber vorsichtshalber ins Krankenhaus fahren sollte.
Egal: Wir waren uns sicher in unserer Sache!
Die Schwangerschaft verlief einfach prima, ich konnte eigentlich alles weitermachen wie bisher (zum Ende wurde ich dann halt etwas langsamer) und so fieberten wir Ende 2009 immer mehr dem errechneten Geburtsdatum am 27.1.2010 entgegen.
Da passierte aber erstmal gar nichts!
Mein Mann und ich wollten uns dann einen schönen Abend machen, allerdings machte uns ein Rohrbruch einen kleinen Strich durch die Rechnung (ich sagte kurz: "Da ist da falsche Wasser am laufen. Es hätte doch das Fruchtwasser sein müssen"), aber da sich am nächsten Tag auch noch immer ein runder Bauch vor mir herschob war ja alles wie eh und je.
Um die Mittagszeit dachte ich, dass das ziehen heute irgendwie gar nicht mehr aufhörte war doch interessant. Ab 15 Uhr sah ich dann immer wenn ich was merkte auf die Uhr und war um 18 Uhr dann mutig genug meinen Mann zu sagen, dass ich glaubte, dass das hier vielleicht Wehen waren. Aber mit viel Vorbehalt, immerhin wollte ich ja keinen falschen Alarm auslösen. Als ich dann kurz danach mit meiner Mutter telefonierte verkürzte sich der Abstand zwischen dem immer stärkerem Ziehen von 30 auf 20 und letztendlich auf 10 Minuten.
Zeit ein weiteres Telefonat zu führen, entschieden wir. Also rief ich Myriam an, sagte ihr wie ich mich fühlte und warnte sie vor, dass ich sie eventuell um drei Uhr Morgens wieder anrufen würde (irgendwie war das immer ihre Standardzeit zum anrufen mit Wehen: "Und wenn du Wehen hast kannst du mich anrufen. Auch um drei Uhr Morgens." oder "Und wenn die Fruchtblase platzt kannst du mich anrufen auch um drei Uhr Morgens." usw.). Sie schlug mir erstmal vor eine Dusche zu nehmen und mich mit mit Wärmflasche ins Bett zu legen. Die Dusche war sehr schön, die Wärmflasche an Bauch oder Rücken war´s nicht so. Die legte ich dann an die Füße was viel besser war. Inzwischen kamen die Wehen alle 4 Minuten und so riefen wir Myriam wieder an (nein, es war noch nicht Drei Uhr Morgens sondern 23 Uhr) und sie machte sich auf den Weg durch Schnee und Eis.
Und als sie dann bei uns zu Hause ankam konnte sie uns versichern: Das waren tatsächlich Wehen und der Muttermund war 2 cm offen. (juhu, kein falscher Alarm!)
Wir versuchten dann erstmal zu schlafen, was allerdings mit immer stärker werdenden Wehen gar nicht klappen wollte und fuhren dann so um halb vier Morgens zum Geburtshaus. Dort nahm ich erstmal ein Bad, was ich kurz als sehr angenehm empfand und dann schnell wieder beendete da ich mich erstmal übergeben musste. "Wunderbar" meinte Myriam "Jetzt ist der Muttermund 5 cm offen. Das nächste Mal wenn du dich übergeben musst ist er 10 cm offen." Leider traf das nicht ganz für mich zu. Ich habe nicht mehr gezählt, aber ich schätze ich habe mich mindestens einmal pro weiteren cm übergeben müssen.
Ich probierte danach noch ein paar andere Positionen aus: Stehend auf den Tisch gestützt, auf dem Gebärhocker, auf der Seite liegend, stehend am Seil (nur sehr kurz) und letztendlich kniend auf die Beine meines Mannes gestützt. Zwischendurch bekam ich ein Energie-Getränk verabreicht da ich recht müde war und immer wieder zu zittern anfing.
Als dann die Presswehen kamen war ich schon sehr am Ende meine Kräfte und wünschte mir so sehr, dass das Baby bitte doch jetzt bitte mit dieser Wehe kommen würde, aber natürlich ging das nicht so schnell (war wahrscheinlich auch gut so). Inzwischen war Johanna auch mit dazugekommen und während ich mich immer elender fühlte erzählten sie und Myriam mir immer wieder, dass ich das klasse machen würde. Und natürlich auch mein Mann war kräftig am anfeuern und trösten. Ich fühlte mich definitiv nicht so toll und wusste am Ende überhaupt nicht woher ich noch die Kraft für irgendetwas, geschweige denn ein Kind aus mir heraus zu pressen, holen sollte und dann passierte genau das was Myriam mir gesagt hatte: Plötzlich hatte ich wieder Energie und dann war auch schon das Köpfchen draussen und nach einer kurzen Pause auch alles weitere und dann war sie um 9:04 Uhr geboren. Unsere süße kleine Alma. (Mein Mann sagt er wird nie vergessen wie ich sie ansah und sagte: "Oh Alma, da bist du ja!")
Wir legten uns dann zu dritt ins Bett und bestaunten erstmal alles und wir starteten unseren ersten Stillversuch (erfolgreich).
Etwas später wurde dann mit Nachhilfe von Myriam und Johanna die Plazenta geboren und dann durfte der stolze Vater die Nabelschnur durchschneiden und Alma auch baden. Und da ich nur eine kleine Schürfung hatte konnten wir den Rest der Zeit mit kuscheln uns Staunen verbringen, kurze Unterbrechung für die U1 und dann ging es auch schon ab nach Hause. (Arme Alma...von konstanten 37° zu Schneeflöckchen im Gesicht...aber zu Hause war´s ja wieder schön warm))
Wir haben am selben Nachmittag noch mit der Familien der nullten Geburtstag gefeiert, es waren rund 20 Leute bei uns zu Hause und freuten sich mit uns über unser persönliches Wunder!
Alma wog bei ihrer Geburt 2840 Gramm und war 49 cm groß.